Prinzipien der Stadtentwicklung Innenstadt Butzbach

Der Stadtraum muss mit der Geschwindigkeit eines Fußgängers erlebt werden! (mit 5 km/h). Stadtplanung muss das menschliche Maß zum Maßstab machen. Das Ziel: Städte für Menschen (in Anlehnung nach David Sim: Soft City 2019 und Jan Gehl: Städte für Menschen, 2019)

Ein Beispiel für die Anwendung der u.g. Planungsgrundsätze für die Innenstadt Butzbach

Menschen benötigen „Grün“, um sich in städtischen Gebieten wohl zu führen. Grünstrukturen fördern somit Atmosphäre und Lebensqualität. Zudem sind Grünstrukturen mit Blick auf Klimaschutz und Klimaanpassungsmaßnahmen in Innenstädten wichtig. Ebenso ist es wichtig, mehr Wasser in die Innenstadt zu bekommen. Ein Ziel ist daher: Alle 300 m Zugang zu einer Grünstruktur.

Planungsgrundsätze

(nach Jan Gehl: Städte für Menschen, 2019)

  1. Flächennutzung so planen, um kurze Wege zwischen einer kritischen Masse von Menschen und deren Zielorten in der Stadt zu schaffen.
  2. Gemischt nutzbare Strukturen und Areale schaffen, um vielfältige Erlebnisse, soziale Kontakte und Sicherheit in der Stadt herzustellen.
  3. Öffentliche Räume so planen, dass sie auf Fußgänger und Radfahrer einladend wirken.
  4. Übergangsräume zwischen Gebäuden und Straßen- oder Platzraum schaffen, um Innen und Außen, privates und öffentliches Leben miteinander zu verbinden.
  5. Bauliche Einladungen zu längeren Aufenthalten in der Stadt schaffen, da wenige Menschen, die sich länger an einem Ort aufhalten, ihn stärker beleben als viele, die ihn nur schnell passieren.

Neun Kriterien (Prinzipien)

  1. Vielfalt an gebauten Formen
  2. Vielfalt an Außenräumen und Flächen
  3. Flexibilität
  4. Menschliche Maßstab
  5. Begehbarkeit
  6. Gefühl der Kontrolle und Identität
  7. Angenehmes Mikroklima
  8. Kleinerer CO2-Fußabdruck
  9. Größere Biodiversität

Die Grundsätze im Detail

  1. Vielfalt an gebauten Formen
  • Verschiedene Arten von Gebäuden
  • Verschiedene Größen von Gebäuden
  • Verschiedene Typen
  • Kleinere Grundstücke
  • Kleinere Unterteilungen
  • Durchmischte Eigentümerstruktur
  • Balance von Gebäudeteilen
  • Visuelle Variation
  1. Vielfalt an Außenräumen und Flächen
  • Verschiedene Arten von öffentlichen Außenflächen
  • Verschiedene Arten von privaten Außenflächen
  • Verschiedene Arten von gemeinschaftlichen Außenflächen
  • Vorhandensein von gemeinschaftlichen Außenflächen
  • Verschiedene Typen korrespondierend mit Bedarfen und Aktivitäten, z.B. für Sport, Kultur..
  • Hybride Räume, die Innen und Außen verbinden
  • Straßen als öffentliche Flächen
  • Öffentliche Flächen für Mobilität
  1. Flexibilität
  • Mehr- bzw. multifunktionale Räume, Innen und außen
  • Erdgeschosse größer proportionieren
  • Unabhängiger Zugänge zu Gebäuden schaffen
  • Nebenräume wie Nebengebäude, Keller oder Dachböden
  • Rückwärtigen Raum für Entwicklung
  • Randzonen von Gebäuden für temporäre Nutzungen
  • Unabhängige Einzelbereiche
  1. Menschliche Maßstab
  • Kleinere Dimensionen
  • Kleinere Räume
  • Nicht höher als 6 Geschosse – ideal 4 oder 5
  • Multisensorische Erfahrungen ermöglichen (hören, sehen, riechen…)
  • Besonderes Bemühen um Erfahrungen auf „eye-level“
  • Durchgängige Qualität auf Augenhöhe
  1. Begehbarkeit
  • Gebäude zum Hineingehen, Durchgehen, Hochgehen
  • Erdgeschosse größer proportionieren
  • Visuelle Verbindung und physischer Zugang zwischen Innen und Außen
  • Direkter Zugang zu nützlichen Außenbereichen
  • Begehbarkeit der Nachbarschaft
  1. Gefühl der Kontrolle und Identität
  • Eine Hierarchie von Räumen, mit denen man sich identifizieren kann (der Vorgarten, der gemeinschaftliche Garten, der Platz in der Stadt)
  • Klarheit zwischen privaten und öffentlichen Räumen
  • Vorder- und Rückfronten
  • Kleinere Einheiten
  • Gemeinsamer räumlicher Fokus
  • Nützliche Randzonen
  • Bedeutende Ecken 
  1. Angenehmes Mikroklima
  • Konsistente mikroklimatische Bedingungen in einem Raum
  • Schutz vor Wind und Turbulenzen
  • Sonneneinstrahlung und Vermeidung von Schatten (durch große Gebäude)
  • Aerodynamische Dachgestaltung
  • Geschützte Außenräume
  • Regenschutz an Randbereichen
  1. Kleinerer CO2-Fußabdruck
  • Weniger exponierte Fassaden
  • Kleinere Dimensionen, um natürliches Licht und Belüftung zu nutzen
  • Einfachere Konstruktionen
  • Weniger Vertrauen in komplexe Technologie und Technik
  • Gestaltung, die eine aktive Mobilität fördert (vor allem zu Fuß gehen) 
  1. Größere Biodiversität
  • Vielzahl kleinerer, individueller Grünflächen im Freien
  • Viele geschützte Räume und Ecken
  • Kleinere Gebäude mit der Möglichkeit grüne Mauern und Dächer zu gestalten
  • Kleinerer Maßstab des Wassermanagements mit langsamer Wasserversickerung
  • Weiche Landschaftsgestaltung, wenn möglich
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